Die Haustechnik eines Passivhauses, verbunden mit dem Wunsch des Bauherrn nach möglicher Unabhängigkeit von fossilen Energien, erfordert sorgfältige Abstimmung aller Systeme aufeinander und eine intensive Zusammenarbeit zwischen Auftragnehmern untereinander und mit dem Auftraggeber. Hierbei ist ein gewerbeübergreifendes Denken Voraussetzung, damit das Zusammenspiel aller Komponenten gewährleistet wird.
Die wesentlichen Komponeneten der Lüftungstechnik sind Sole-Erdwärmetauscher, der Luft-Wasser-Kollektor und die Lüftungsanlage mit Rotationswärmetauscher.
Der Lüftungsanlage ist ein Sole-Erdwärmeübertrager vorgeschaltet. Das 160 m lange wasserführende flexible Rohr wird in Schleifen unter dem Haus auf der Aushubsohle verlegt. Der Erdwärmeübertrager nutzt die Wärme der Erde zur Vorwärmung der Zuluft im Winter zur Verhinderung von Vereisung im Wärmetauscher bzw. zur Vorkühlung der Frischluft im Sommer.
Der verbleibende Energiebedarf wird durch Hybridkollektoren, HSK2005 der Firma ERSOTEC GmbH geliefert. Sechs Kollektoren mit einer Gesamtbruttofläche von 8,6 m² liefern einen Jahresertrag von 525 kWh/m² wasserseitig und 225 kWh/m² luftseitig. Eingebaut werden diese Kollektoren direkt auf der Konterlattung des Daches, d.h. sie überragen die Dachziegel kaum. Der wesentliche Vorteil der Hybridkollektoren gegenüber herkömmlichen Kollektoren liegt darin, die Zuluft direkt im Luft-Kollektor ohne Zwischenschaltung von Wärmetauschern erwärmt werden kann. Der Wasser-Kollektor erwärmt den 1000 l Pufferspeicher, womit die Warmwasserversorgung sichergestellt ist, im Bedarfsfall jedoch auch die Zuluft erwärmt wird.
Heutige Neubauten sind so luftdicht gebaut, dass die Lufterneuerung allein durch Fugen und Ritzen unzureichend ist. Auch die viel empfohlene Fensterlüftung ist aufwendig, kaum praktikabel und häufig unzureichend. Frische Luft ist nicht nur eine Frage des Wohnkomforts, sondern der Hygiene und somit eine Notwendigkeit für ein gesundes Leben. Folglich ist für jeden Neubau, unabhängig ob Passivhaus oder nicht, eine Lüftungsanlage zu empfehlen und bei genauer Betrachtung der geltenden Regeln ein muss. Im Passivhaus übernimmt diese Lüftungsanlage gleichzeitig die Aufgabe der Wärmeverteilung.
Kernstück der Wohnraumlüftung ist die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmeüberträger). Eine variable, der Nutzung angepasste Außenluftmenge wird im Zentralgerät gefiltert, durch den Wärmeübertrager erwärmt und den Wohn- und Schlafräumen des Hauses zugeführt (Zuluft). Die gleiche Luftmenge wird aus Küche, Bad und WC abgeführt (Abluft), die Wärme durch den Wärmeübertrager entzogen, nach außen geleitet und im Wärmetauscher die Wärme auf die Zuluft übertragen.
Bei der Wahl der Lüftungsanlage hat sich die Familie Vaßen für eine Anlage der Firma Systemair mit Rotationswärmetauscher (VR 700 E/EC) mit vorgesetztem Filter entschieden. Hierbei handelt es sich um ein feuchteübertragendes System, das neben der Abluftwärme auch die Abluftfeuchtigkeit auf die Zuluft überträgt, was eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit verhindert.
Sollte eine Erwärmung der Zuluft zur Deckung der Wärmeverluste erforderlich sein, so sorgt eine eigens entwickelte intelligente Steuerung dafür, dass in folgender Reihenfolge Wärme auf die Zuluft übertragen wird:
Jede der obigen Komponenten kann über Bypasleitungen kurzgeschlossen und umgangen werden.
Für eine komfortable und intelligente Steuerung der Komponenten Jalousien, Lüftungsanlage und Kollektor abhängig von Innen- und Außentemperatur, Sonnenschein und Windstärke sorgt die EDV-Anlage mittels Bussystem.